Epson Moverio BT-2000

Die Epson Moverio BT-2000 ist die Profiversion der BT-200.  Während sich die BT-200 an private Nutzer, wie Drohnenpiloten richtet, wurde die BT-2000 für den Einsatz im industriuellen Umfeld konzipiert. So ist die BT-2000 zum Beispiel Staub- und wasserabweisend und erfüllt die ANSI Norm.

AnyMotion hatte Gelegenheit die BT-2000 für sein Project AR-Maintenance zu untersuchen. Daher haben wir Sie vor allem auf den Einsatz im Rahmen von Wartung mit AR-Unterstützung getestet.

Erste Eindrücke

Steuereinheit

Die Steuerungseinheit ist ungewöhnlich gross. Vor allem wenn man sie direkt mit der Steuerungseinheit der BT-200 vergleicht. Dies ist auf den ersten Blick etwas verwunderlich,  da laut Spezifikationen der Prozessor, der Speicher, die Sensoren und das Betriebssystem fast identisch sind.  Die einzige plausible Erklärung, die uns eingefallen ist, ist die Steuereinheit stoßfest zu machen.
EDIT: Eine Nachfrage bei Epson hat unsere Vermutung bestätigt. Der Steuerungseinheit ist IP54 zertifiziert und kann damit einen Fall aus 1.50 Meter Höhe überleben.

Das Touchpad der BT-200 ist durch vier programmierbaren Knöpfen und ein Steuerungskreuz ersetzt worden. Dadurch wirkt die allgemeine Steuerung eher unhandlich, da die BT-2000 immer noch ein Userinterface eines Tablets benutzt.  Es fühlt sich so an , als müßte man einen PC ausschließlich mit der Tastatur steuern. Den Knöpfen kann man allerdings programmatisch Funktionen zuweisen. Wenn die App nur bis zu vier Interaktionen benötigt, dann läßt sich so eine zuverlässige Steuerung bauen ohne die Notwendigkeit auf unsichere Methoden wie Sprach- oder Gestensteuerung zurückzugreifen.

Die Anschlüsse sind durch weiche Lamellen geschützt, was auf den ersten Blick etwas unschön wirkt. Aber wenn man den geplanten Einsatzort in Betracht zieht, dann wir einem schnell klar, das harte Schutzabdeckungen Gefahr laufen abzubrechen.

Im Lieferumfang war eine Schutztasche für die Kontrolleinheit enthalten. Die Tasche wirkt sauber verarbeitet und hat mehrere Möglichkeiten, um die Steuereinheit am Körper zu befestigen.

Die Brille

Das Kopfteil scheint komplett überarbeitet worden zu sein. Anders als die BT-200 wird die Brille wie eine Art Stirnband getragen. Im Stirnband sind verschiedene Sensoren und die beiden Kameras enthalten und seine Breite lässt sich bequem über eine Verschlussklappe an der Rückseite  verstellen. Obwohl man die Brille immer noch ab und zu nachjustieren muss, ist der feste Halt gegenüber der frontlastigen BT-200 eine enorme Verbesserung.

Die Gläser selber hängen wie eine Art Visier vor den Augen. Auf diese Weise drücken Sie nicht gegen die Augen und lassen sich auch von Brillenträgern über einen längeren Zeitraum ohne Beschwerden tragen. Leider scheinen sie von derselben Machart zu sein, wie bei der BT-200 , so dass es keine Verbesserungen in Punkto Auflösung gibt.

Im Stirnband, ungefähr zwischen den Augen, befinden sich zwei Kameras. Eine Hauptkamera und eine Tiefenkamera. Die Tiefenkamera erlaubt stereographisches Sehen und man könnte mit ihrer Hilfe könnte mir Ihrer Hilfe Entfernung zu erkannten Objekten abschätzen. Neben der verbesserten Auflösung hat die zentrale Positionierung der Kamera zwei wesentliche Vorteile für AR-Anwendungen:

  1. Wäre die Kamera an der rechten Seite, würde sie vielleicht nicht das gesamte Blickfeld abdecken. Vermutlich würden nur Objekte erkannt, die zentral vor dem rechten Augen positioniert werden. Dies wirkt unnatürlich auf den Benutzer und wird durch den Umstand verstärkt, das er das eigentliche Kamerabild nicht sieht.
  2. Für die Projektion von virtuellen Objekten muss das Kamerabild mit dem Sichtfeld in Einklang gebracht werden. Desto weiter die Kamera von den Augen weg ist, desto aufwendiger und schwieriger ist die Berechnung dieser Verzerrung. Der Abstand von der rechten Seite der Brille ist dabei wesentlich größer, als der Abstand von einer zentralen Position zwischen den Augen.

Die BT-2000 in der Praxis

Als wir die Brille erhalten haben, hatten wir bereits ein AR-Programm auf der BT-200 realisiert. Aufgrund der recht ähnlichen technischen Spezifikationen haben wir natürlich versucht, dasselbe Programm auf die BT-2000 zu übertragen. Epson besitzt einen Technical FAQ der hierfür sehr nützliche Informationen enthält.

Bei der Umstellung von der BT-200 zur BT-2000 sind drei wichtige Punkte zu beachten.

  1. Zunächst muss das SDK File BT200Ctrl.jar gegen das entsprechende File der BT-2000( H725Ctrl.jar ) ausgetauscht werden und die entsprechenden Stellen im Code angepaßt werden. Dies ist allerdings nur nötig, wenn sie bestimmte Funktionen der Brille programmatisch ansprechen wollen.
  2. Die technische Anzeigegröße von 960×540 der Brille bezieht sich auf den Fullscreen Mode. Wenn Sie ihr Programm nicht explizit in den Fullscreen Mode umschalten, können Sie nur 960×492 Pixel nutzen. Sollten Sie den Side-by-Side 3D Modus nutzen, dann wird diese Fläche nochmal halbiert.
  3. Die Hauptkamera unterstützt nicht mehr die Pixelgröße 320×240. Leider ist dies bei einigen AR-Frameworks die Defaultgröße, was für den Laien zu unerklärten Abstürzen führen kann.

Nachdem wir unser Programm erfolgreich emigriert haben, haben wir die BT-2000 in einer Industrieanlage getestet. Leider hat sich der erste Eindruck über die Steuereinheit bestätigt. Wir hatten Probleme eine Stelle am Körper zu finden, wo sie nicht stört. Das starten der Anwendung erwies sich als schwer fällig und umständlich. Die Brille hingegen hatte einen bequemen Sitz und man kann sie zur Not unter einem Halbhelm tragen.

Solange kein Schatten auf die Marker fällt, funktioniert die Erkennung der Marker bis auf zwei Schritt Entfernung problemlos und zuverlässig. Leider fällt die Erkennungsrate bei einem leichten Schatten auf dem Marker oder bei größeren Entfernungen rapide. Jedoch ist das Ergebnis insgesamt durchaus zufriedenstellend.

Aufgrund der kurzen Zeit konnten wir folgende Sachen nicht testen:
Spracherkennung

Die BT-2000 kann 36 feste englische Wortphrasen  über ein Mikrofon erkennen. Beispiele sind “Zoom in” , “Zoom out” und “Move left”.  An diese Phrasen lassen sich programmatisch beliebige Aktionen hängen. Wenn es die Umgebungslautstärke zulässt, ließe sich so eine deutlich bequemere Steuerung realisieren.

Tiefenkamera

Eine zweite Tiefenkamera ist keine Selbstverständlichkeit. Uns sind zur Zeit nur 3 erhältliche Brillen mit einer Tiefenkamera bekannt. Das sind die Epson BT-2000, die Hololens und die Meta One.  Sie ist jedoch eine Grundvoraussetzung für  eine komplexe Gestensteuerung.

Von Anymotion gesammelte Rahmendaten zur BT-2000

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