AR-Brillen

Augmented Reality Brillen oder kurz AR-Brillen  gehören ebenso wie die VR-Brillen zur Klasse der Computerbrillen. Sie haben die Möglichkeit computergenerierten Inhalt in das Blickfeld des Benutzers einzublenden.  Bekannte Beispiele sind Google Glass oder die Hololens von Microsoft. Anders als VR-Brillen wird der Benutzer jedoch nicht von der Außenwelt abgeschnitten. Stattdessen versucht AR die natürliche Sicht des Benutzers zu überlagern und anzureichern.

An dieser Stelle wollen wir nicht die verschiedenen AR-Brillen vergleichen. Dazu gibt es im Netz sehr gute andere Quellen. Siehe hier oder hier. Stattdessen wollen wir die Kriterien etwas näher beleuchten, in denen sich die einzelnen Brillen unterscheiden.

Wichtige Kriterien

Die Wahl der richtigen Brille ist durch eine stetig steigende Auswahl mitunter nicht immer ganz einfach und hängt stark von der geplanten Verwendung der Brille ab. So macht es wenig Sinn für 3D-Anwendungen eine Mono-Brille zu kaufen. Andersherum wäre ein Kauf einer Hololens für eine einfache Anzeige der Uhrzeit wohl übertrieben.

Mono- / Binocular Brillen

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist, ob die Brille nur über einem Auge ( Beispiel Google Glass ) oder über beide Augen ( Beispiel Epson Moverio BT-200 ) hängt.  Möchte man zum Beispiel 3D-Elemente darstellen, sollte man drauf achten, eine binoculare Brille zu holen, welche in der Lage ist auf jedes Auge ein separates Bild abzubilden.

Display( Größe / Darstellbare Formate / Darstellungstechnik )

Leider limitiert praktisch jede den Bereich für die Darstellung der virtuellen Informationen. Ein weiteres Kriterium für die Wahl einer Brille ist also die Frage, wie gross dieser Bereich bei der jeweiligen Brille ist.

Als nächstes muss man sich fragen was die Brille darstellen kann. Kann sie Farben darstellen oder ist sie monochrom? Kann sie Bilder darstellen? Unterstützt sie stereographisches sehen? Kann Sie Videos abspielen ? Denn keine dieser Funktionen ist leider selbstverständlich.  Selbst wenn man sich eine Brille für beide Augen holt, heißt das noch lange nicht, das sie stereographisches sehen unterstützt.

Die letzte Frage, die man sich stellen muss, ist welche Technologie benutzt wird um die Informationen einzublenden.  So könnte die Projektion über Spiegel , Silizium Kristalle und OLED geschehen, die in der Brille eingebaut sind und sich direkt vor den Augen befinden. Die geheimnisvolle Firma Magic Leap will hingegen die Informationen direkt auf die Netzhaut projizieren.

Kamera

Eines der wichtigsten Elemente für AR-Anwendungen ist die Kamera. Obwohl man mittlerweile wohl “Hauptkamera” sagen muss. Denn die Hololens besitzt mittlerweile 6 Kameras.  Neben der Hauptkamera besitzt sie eine Tiefenkamera und 4 Kameras um die Umgebung zu analysieren.  In den Bildern der Hauptkamera wird nach den AR-Markern für das AR-Tracking gesucht. Als Daumenregel gilt hier: “Desto  besser die Kamera, desto besser das Tracking”.

Für AR-Anwendungen sollte man aber nicht nur die Eigenschaften der Kamera selber, sondern auch die Position der Kamera an der Brille berücksichtigen. So führt eine Kamera, die an der rechten Seite der Brille angebracht wurde zu mehr Problemen als eine Kamera, die sich zwischen den Augen befindet.

Sensorik

Sensorik ist mittlerweile ein etwas weitläufigerer Begriff, nachdem Microsoft seine 4 Umgebungskameras vorgestellt hat. Als Standard hat jede Brille jedoch mindestens einen Beschleunigungsmesser, ein Gyroskop und einen Kompass, um Aussagen über seine eigene Position im Raum zu treffen. Moderne Brillen haben zusätzlich einen Belichtungssensor. Jedoch hat nicht jede Brille ein eigenes GPS oder ein Mikrofon.

Steuerung

Der größte Vorteil der AR-Brillen gegenüber mobilen Endgeräten ist, das man die Hände nicht braucht,  um sie zu halten. Leider ist Steuerung auch Ihre größte Schwäche.  Die Ansätze hier scheinen so vielfältig, wie unausgereift zu sein.  Die einfachsten haben ein Rad und lassen sich wie eine primitive Smartuhr bedienen. Einige haben eine angeschlossene Kontrolleinheit, die Knöpfe oder ein Touchpad enthalten. Diese Methoden wirken jedoch behelfsmäßig und sind der Steuerung der mobilen Endgeräte unterlegen, deswegen suchen viele Hersteller nach Alternativen.

Einige Beispiele sind Sprachsteuerung, Gestensteuerung, virtuelle Buttons oder Hilfsgeräte.

Wo man beim Kauf den Schwerpunkt drauf legt, hängt hier im Endeffekt wieder von dem geplanten Nutzungsbereich der Brille ab.

Prozessor / Speicher / Akkulaufzeit

Prozessor , Speicher und Akkulaufzeit sind Kennzeichen für die Leistungsfähigkeit der Brille.  Desto höher die einzelnen Werte, desto besser ist es.

OS / Kommunikationsmöglichkeiten

Das Betriebssystem oder Operation System (OS) der Brille spielt weniger für den Einsatz, sondern für die Entwicklung eine Rolle. Je nachdem ob die Brille auf Android oder Windows basiert, ändern sich möglicherweise die Programmiersprache, das Enwicklungsframework und das Entwicklungstool. Dies ist natürlich nur der Fall, wenn der Programmier kein plattformübergreifendes Framework benutzt.  Zur Zeit ist keine Brille bekannt, die auf IOs basiert.

Wenn man kein Standaloneprogramm schreiben will, muss man sich auch fragen welche Möglichkeiten die Brille hat zu kommunizieren. Alle haben einen WiFi Empfänger und die meisten unterstützen zumindest eine Form des Bluetooth Protokolls. Einige unterstützen außerdem WiFi-Direct jedoch hat bisher keine Brille die Möglichkeit über LTE in das Handynetz zu gehen.

Preis / Verfügbarkeit

Die Preise für AR-Brillen schwanken zur Zeit zwischen 699€ – 3299€ .  Hier sollte jeder selber wissen, wieviel er ausgeben möchte. Genauso wichtig wie der Preis ist jedoch auch die aktuelle Verfügbarkeit der Brille. Selbst wenn man das Geld hat, um sich eine tolle Brille zu kaufen, ist sie vielleicht noch gar nicht erhältlich. So wurde die Hololens über ein Jahr vor ihrer eigentlichen Erscheinung ankündigt. Danach war die Developer Version lange Zeit nur in der USA und erst viel später in Deutschland erhältlich. Über die Brille von Magic Leap ist heute noch nicht bekannt, wann sie überhaupt erscheinen wird.

Die Menge an Artikeln über verschiedene Datenbrillen täuscht leicht über die Tatsache hinweg, das nur eine handvoll davon wirklich kommerziell erhältlich sind. Wenn eine AR-Brille zum Beispiel  auf der CeBit vorgestellt wurde,  heißt das noch lange nicht, das man Sie auch normal kaufen kann.

Liste von AR-Brillen

Die folgende Liste hat keinen Anspruch komplett zu sein, da sich der Markt zur Zeit konstant im Umbruch befindet. Dadurch drängen ständig neue Brillen auf den Markt oder ältere Modelle gehen einfach in der Informationsflut unter.  Wenn Sie glauben, wir haben eine Brille vergessen oder möchten das wir Ihre Brille hier auflisten, dann kontaktieren Sie uns doch unter mail@anymotion.com.
Möchten das wir ihre Brille auf AR-Tauglichkeit testen? Dann schreiben sie uns unter nguyen@anymotion.com und wir setzen uns mit Ihnen in Kontakt.

Stand: 4.1.2017

BT-200

AR-Brille BT-200 mit abnehmbaren Sonnenschutz

Die BT-200 erschien 2014 als direkter Konkurrent zur Google Glas und war als binoculare Brille mit seinen Möglichkeiten ein guter Allrounder. Sie konnte neben normalen Text und Bildern auch 3D-Objekte, Videos und 3D-Bilder darstellen. Ein GPS und ein Gyroskop im Kopf- und Handteil lieferten Informationen zur Orientierung und die Möglichkeit sich über Bluethooth, WiFi oder WiFi direct mit anderen Geräten zu verbinden rundeten die Sache ab. Leider merkt man der Brille ihr Alter an und heute ist sie nichts besonders mehr.
Möchte man sich in den Bereich AR-Brillen einarbeiten, ist dies jedoch immer noch mit Abstand die günstigste Variante und das perfekte Anfängermodell.

Lesen Sie unseren BT-200 Hands-On Test.
Update:  Wenn Sie jedoch planen erst in nächster Zeit eine Brille anzuschaffen, empfehlen wir Ihnen auf die BT-300 zu warten.

Status: In Deutschland erhältlich

BT-300

Die BT-300 ist der Nachfolger der BT-200 und eine solide Verbesserung in allen Bereichen. Das neuartige OLED-Display , eine 5MP HD Kamera und eine Gewichtsersparnis von 20% gehören zu den wichtigsten Verbesserungen. Zusätzlich wurden Betriebssystem, Prozessor und Speicher verbessert.

Status: Noch nicht erhältlich ( Stand. 4.1.2017)


BT-2000

Augmented Reality (AR) Brille BT-2000

Die Epson Moverio BT-2000 ist die Profiversion der BT-200 und ist speziell für den Einsatz in der Industrie konzipiert worden. Die Hardware Spezifikationen sind mit Ausnahme der besseren Hauptkamera und eine weiteren Stereokamera fast mit der BT-200 identisch. Jedoch wurde die Hardware stoßfest , wasserabweisend und staubabweisend gemacht und erfüllt die ANSI Industrie Sicherheitsnorm.

Lesen Sie unseren Hands-On Test für BT-2000 für mehr Informationen.

Status: In Deutschland erhältlich

Google Glass

AR-Brillen / Google Glass

Diese monoculare AR-Brille ist die erste Brille, die kommerziell an die breite Bevölkerung verkauft wurde.  Jedoch stieß sie wegen ihres auffälligen Aussehens und vor allem wegen ihrer Kamera auf enorme Bedenken bezüglich der Privatsphäre und des Datenschutzes von anderen Personen. Der offizielle Verkauf der Google Glass ist mittlerweile eingestellt, aber sie ist immer noch bei einigen Retailern zu erhalten.  Google bezeichnete die Google Glass nach eigenen Worten als Feldversuch und sie lassen die Erfahrungen, die sie gesammelt habe in die Google Glass II einfließen.

Status: Offizielle Verkauf eingestellt. Vereinzelnd sind noch Restposten erhältlich

Google Glass II

Über diese Brille ist noch nicht sehr viel bekannt, außer das sie der direkte Nachfolger der Google Glass ist. Zu dieser Brille existieren mehrere Gerüchte. Sie soll wohl den Namen Google Glass Enterprise Edition tragen und sich nicht mehr an die breite Bevölkerung, sondern an spezielle Teile der Industrie richten.  Es sind noch keine technischen Spezifikationen bekannt, aber es soll sich hierbei wohl wieder um eine monoculare Brille handeln. Außerdem sollen erste Entwicklerversionen bereits bei ausgewählten “Glass for work” Partnern angekommen sein.

Status: Nur für “Glass for Work” Partner erhältlich. Offizieller Verkaufsstart: Unbekannt. ( 4.1.2017 )

Sony Smart Eye

Die binoculare Sony Smart Eye ist ebenfalls als direkter Konkurrent der Google Glass erschienen. Mit einer 3MP Kamera übertrifft sie an dieser Stelle die BT-200, aber ihre Anzeigefläche ist mit 419×138 kleiner als bei der BT-200. Außerdem sind nur monochrome(grün) Anzeigen möglich. Da AnyMotion seine 3D-Objekte auf der Brille darstellen möchte, fiel diese Brille damit aus der weiteren Betrachtung heraus.

Status: Bei einigen Retailern in Deutschland erhältlich.

ODG R7/ R8 / R9 

Die R7-R9 sind AR-Brillen aus dem Haus Osterhout.  Obwohl ihre technischen Spezifikationen den älteren Brillen in vielen Bereichen überlegen sind, kann man nicht mit Sicherheit sagen, wie sie die typischen AR-Probleme meistern.  So wird die Brille nicht über ein angeschlossenes Touchpad gesteuert, sondern über ein Radkontrolle an der Brille selber. Der stolze Preis von 2.750 $ ohne Mehrwertssteuer hat uns bisher davon abgehalten, einen Test auf dieser Brille durchzuführen.

Status: R7 erhältlich, R8 Developerversion vermutlich 2017 erhältlich, R9 in Entwicklung

Meta One / Meta Pro / Meta 2
Bild der Meta 2, AR, Augmented Reality
Meta 2

Von der Firma Meta, die früher als Spaceglasses bekannt war, kommt die Meta One. Die Brille war die erste AR-Brille, die auf Windows basiert, und eine zweite Stereo Kamera für die Tiefenerkennung mit sich brachte. Sie ist jedoch nur eine Entwicklerversion für die Meta Pro, dessen Entwicklung zur Gunsten der Meta 2 eingestellt wurde.

Über die Meta 2 ist wenig bekannt. Es existieren lediglich einige Promotionvideos. Jedoch scheint sie klar als Konkurrent zur Hololens in Stellung gebracht worden zu sein.

Status: Meta One erhältlich, Meta Pro eingestellt, Meta 2 Entwicklerversion erhältlich, Meta 2 Consumerversion: Erscheinungsdatum unbekannt.

castAR

Das bemerkenswerte an castAR ist seine Entstehungsgeschichte. castAR begann als eine Kickstarter Kampagne  von Technical Illusion, bei der sie fast 1 Million $ einsammelte. Bei einer Demonstration eines Prototypen haben Sie Andy Ruben, den Erfinder von Android, so stark beeindruckt, dass dieser eine weitere  Finanzierungsrunde in der Industrie startete, in der weitere 15 Millionen $ zusammen kamen. Technical Illusion versprach darauf  seinen Kickstarter Supportern das Geld zurückzuzahlen und trotzdem eine Version der Brille zuzustellen.

Über die Brille selber ist noch nichts konkretes bekannt, aber einen Artikel zu Folge, sollen die ersten Brillen dieses Jahr ausgeliefert werden.

Status: In Deutschland noch nicht erhältlich. Entwicklerversionen kommen vielleicht dieses Jahr.

Hololens
Augmented Reality (AR) Brille Hololens - Front Ansicht
Hololens

Von der Firma Microsoft kommt die AR-Brille Hololens. Man könnte behauptet das die Brille und vor allem die eindrucksvollen Werbevideos von Microsoft den Markt um Augmented Reality sehr angeheizt haben. Auch wenn Experten mittlerweile vermuten, das man nur die Hälfte von dem erwarten darf, was einen versprochen wurde, so wirkt selbst die Hälfte eindrucksvoll. Die Hololens kommt mit 6 Kameras und 4 Mikrophone. Außerdem scheint Sie eine robuste Gesten- und Spracherkennung zu besitzen, was ein Hauptproblem von AR-Brillen beseitigen würde. Die mangelhafte Steuerung. Am meisten dürfte die Leute jedoch die Holographie Technik interessieren.
Leider ist die Brille mit 3299 € nicht ganz billig.

Lesen Sie unseren Hands-On Test um mehr zu erfahren.

Status:  Entwicklerversion in Deutschland erhältlich.

Magic Leap

Obwohl kaum etwas über die Brille der Firma Magic Leap bekannt ist, darf Sie in keiner Aufstellung fehlen. Anders als andere Hersteller möchte Magic Leap die Bilder und Informationen nicht auf eine Fläche vor den Augen projizieren, sondern direkt auf die Retina des Auges.  Weil die virtuellen Objekte dadurch wie die realen Objekte der Umwelt wahrgenommen werden, sollen sie sich virtuelle Objekte nicht mehr von realen Objekten unterscheiden lassen.  Natürlich gibt es da draußen viele Firmen, die unglaubliche Sachen versprechen. Jedoch hat Magic Leap mittlerweile über 3 MILLIARDEN US Doller an Investitionsgeldern eingesammelt, was dem ganzen eine gewisse Glaubwürdigkeit verleiht.

Status: unbekannt

Lumus

Lumus ist eigentlich ein israelischer Militärausrüster. Jedoch haben Sie angekündigt ebenfalls eine AR-Brille entwickeln zu wollen. Vor einigen Wochen wurde schließlich bekannt geben, das Sie erfolgreich 45 Million US Doller eingesammelt haben. Obwohl diese Brille noch in der Planung zu sein scheint, scheint Lumus Zugriff auf die entsprechende Erfahrung und die entsprechenden Gelder zu haben, um eine AR-Brille zu entwickeln.

Status: In Planung

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